Erst forschte er im Keller seines Elternhauses, später erlangte seine Firma mit Spezialgläsern Weltruhm: Otto Schott. Der Todestag des bedeutenden Chemikers jährt sich heute zum 75. Mal. Der „Glasdoktor“ sorgte dafür, dass Thermometer die Temperatur zuverlässiger anzeigen, gläserne Lampenzylinder nicht mehr wegen Hitze bersten und Mikroskope bessere Bilder liefern.
Der Chemiker Otto Schott (1851–1935) gilt als Wegbereiter der modernen Glaswissenschaft. Der Sohn eines Fensterglasmachers und Glasfabrikanten erkannte nach zahlreichen Versuchen, dass man Gläser mit genau definierten Eigenschaften schaffen und reproduzieren kann – wenn die Zusammensetzung stimmt. 1884 gründete er mit Partnern in Jena ein Glaslabor, aus dem der Technologiekonzern Schott (Mainz) hervorging. Schott-Vorstandschef Udo Ungeheuer zählt ihn zu den „bedeutendsten Wissenschaftlern und Unternehmern seiner Zeit“.
Die Bewunderung fliegt dem aus Witten an der Ruhr stammenden Schott nicht von Anfang an zu. Als er an der Universität Leipzig den Doktor machen will, beißt er auf Granit. „Dem Candidaten fehlt entschieden (...) die allgemeine Bildung, die zur Erlangung der Doktorwürde nöthig ist“, urteilt die Hochschule über Schott, der kein humanistisches Gymnasium, sondern eine Gewerbeschule besucht hat. In Jena ist man entspannter. An der dortigen Universität promoviert er 1875 ohne Probleme, wie es in einem Buch über den Konzern heißt. Ab 1879 erforscht Schott im Keller seines Elternhauses, wie sich verschiedene chemische Verbindungen beim Schmelzen und bei der Glasbildung verhalten. Das verfügbare Glas genügt vielen Ansprüchen nicht. So hat etwa der Jenaer Physiker Ernst Abbe 1876 festgestellt, dass das Mikroskop nur begrenzt weiterentwickelt werden kann, wenn es nicht gelingt, Gläser mit wesentlich besseren optischen Eigenschaften zu produzieren.
Schott, der seine Mischungen auf dem Koksofen erhitzt und mit feuerfesten Stielen holländischer Tonpfeifen umrührt, wendet sich an Abbe, damit der interessant scheinende Proben begutachtet. Abbe ist Teilhaber der Optischen Werkstätte von Carl Zeiss, die Mikroskope nach seinen Berechnungen produziert. Schwachpunkt ist das Glas der Linsen. Die verfügbaren Glassorten weisen oft Schlieren, Blasen oder Ungleichmäßigkeiten auf, was zu Fehlern bei der Abbildung führt.
Indem er bei der Herstellung auf Kieselsäure verzichtet und 30 Prozent mehr Borsäure verwendet, kann Schott die Bildfehler vermeiden. Er zieht nach Jena, wo er 1884 mit Abbe, Carl Zeiss und dessen Sohn Roderich die Firma „Glastechnisches Laboratorium Schott & Gen.“ gründet. Das Ergebnis sind bessere Objektive für Mikroskope, Fernrohre und Fotoapparate.
Abbe, der als Sohn eines Spinnmeisters früh die Härten des Arbeiterlebens kennengelernt hat, will die soziale Stellung der Mitarbeiter verbessern und unabhängig vom Firmeneigentümer sichern. Nach dem Tod von Carl Zeiss 1888 überträgt er seine Anteile an Zeiss und dem Glaslabor auf die eigens gegründete Carl-Zeiss-Stiftung und bewegt Zeiss´ Sohn zum gleichen Schritt. Die Mitarbeiter erhielten für damals außergewöhnliche Rechte, etwa erhöhten Kündigungsschutz, bezahlten Urlaub und Mindesteinkommen.
Schott selbst wird vom Mitbesitzer zum angestellten Vorstand. Als er sich 1926 zurückzieht, hat er mit der fabrikmäßigen Produktion von Spezialgläsern einen neuen Industriezweig geschaffen. |